ehrlich nix gezahlt

4. Mai 2006 um 09:24 Uhr

die neuerliche diskussion nach freilassung der beiden deutschen geiseln im irak, ob nun lösegeld gezahlt wurde oder nicht, ist wieder mal sowas von überflüssig und kontraproduktiv. warum muss man das als medium eigentlich so genau wissen, frage ich mich.

keine halbwegs vernünftige regierung wird je zugeben, dass lösegelder geflossen sind. natürlich nicht. wenn sie das täte, wäre das geradezu eine einladung für entführer - die vielzitierte gelddruckmaschine, zumal im irak. man sollte doch meinen, dass man als journalist soviel verstand im kopf hat, um das zu wissen. und eigentlich, so erfährt man aus ihren blättern, sendungen und webseiten, wisse man das ja auch. gefragt und nachgebohrt wird aber trotzdem. immer, und immer wieder, so lange, bis dann doch endlich eine geheime quelle gefunden ist, die das offensichtliche preisgibt: ja, es wurde lösegeld gezahlt. da schau her, wer hätte das gedacht? himmel, endlich kommt die wahrheit ans licht!

was ändert das? wem nützt diese erkenntnis? niemandem - außer natürlich zukünftigen entführern. die kommen auf den geschmack. wer’s bis dahin noch nicht wusste, weiß es jetzt: da gibt’s geld für geiseln? super, das probier ich auch mal! eigentlich eine einfache rechnung, sollte man meinen. offensichtlich nicht für investigative journalisten. da siegt dann der entdeckerdrang über den sinn für realität.

manche dinge blieben lieber unentdeckt. erst recht, wenn sie eh schon jeder weiß.

2 Kommentare zu “ehrlich nix gezahlt”

  1. Holger

    Nach meiner Erfahrung ist das so eine Art journalistische Massenpsychose: Du stehst im Pulk von Reportern oder sitzt in der Pressekonferenz und mußt irgendwie auffallen. Also mußt Du unbedingt eine Frage stellen. Natürlich keine, von der Du eine wirklich exklusive Antwort erhoffst - die hätten ja dann auch all die Kollegen um Dich herum und damit wäre sie nicht mehr exklusiv. Aber Du bist jung und karrieregeil und willst, daß der Minister und die Kollegen der anderen Blätter Dich bemerken. Also stellst Du einfach die Frage des Tages. Die, von der alle wissen, daß Du niemals eine Antwort bekommen wirst, beid er die Antwort, egal wie sie ausfällt, aber aus unerfindlichen Gründen in den Chefredaktionen auf jeden Fall für sende- oder druckfähig gehalten wird: “Werden Sie der neue Kanzlerkandidat der SPD? Wer wird der Nachfolger von Ballack? Wieviel Lösegeld wurde gezahlt?”

    So einfach ist das.

  2. Verena

    hm, ich möchte einfach nur wissen, was uns die welt kostet. ist das zuviel verlangt? ist doch unsinn, dass entführer sich zurückhalten, wenn die regierung verlauten lässt “wir haben nix gezahlt”. natürlich wissen alle halunken auf diesem planeten in der sekunde der freilassung, dass was geflossen ist. also kann man mir doch freundlichst mitteilen, wieviel… :-)

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